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Brasilien: Land der Ansässigkeit

[veröffentlicht am 12.01.2017]

Die Definition der Ansässigkeit von Personen in einem bestimmten Land ist für den Umfang der betreffenden Steuerpflichten von entscheidender Bedeutung.

Nicht in Brasilien ansässige Personen müssen in Brasilien nur die Einkünfte aus Quellen in Brasilien (Territorialität) versteuern, die in Brasilien ansässigen Personen müssen hingegen ihr weltweites Einkommen (Universalität der Einkünfte) versteuern.

Nach der Normativanweisung IN 208/2002 gilt die Person als in Brasilien ansässig, die (i) ihre Hauptwohnung in Brasilien hat, (ii) außer Landes ist, um Dienstleistungen für den brasilianischen Staat zu erbringen, (iii) mit einem Dauervisum oder temporären Visum nach Brasilien einreist (bei einem Dauervisum ab der Einreise, bei einem temporären Visum ab der Einreise, wenn ein Arbeitsvisum erteilt wurde, sonst nach Ablauf von 184 Tagen in Brasilien, unabhängig davon, ob diese 184 Tagen direkt aufeinanderfolgen oder nicht), (iv) ein brasilianischer Staatsbürger ist, der nach der definitiven Ausreise ins Land zurückkehrt, um in Brasilien zu bleiben oder (v) ein brasilianischer Staatsbürger ist, der zwar definitiv aus Brasilien ausreist, aber in den ersten 12 Monaten seiner Abwesenheit keine Erklärung/Mitteilung über die definitive Ausreise (Art. 2) abgibt.

Sehen wir uns zunächst den Fall der Ausländer an, die in Brasilien einreisen. Diese gelten als ansässig und damit für ihre weltweiten Einkünfte steuerpflichtig bei einem Dauervisum ab der Einreise nach Brasilien oder bei einem Arbeitsvisum, ab dem Tag, an dem sie ein Arbeitsverhältnis eingehen, oder ansonsten nach 184 Tagen Aufenthalt in Brasilien innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten.

Die Person, die in Brasilien ansässig war, und ausreist und ihre Einkünfte nicht mehr in Brasilien besteuern lassen will, muss dies den Behörden durch die Mitteilung über die definitive Ausreise und durch die Erklärung über die definitive Ausreise bezüglich des Zeitraums des Jahres melden, in dem sie in Brasilien ansässig war. Werden diese Erklärungen von der ausreisenden Person nicht abgegeben, bleiben die Ansässigkeit und folglich die Steuerpflicht aller Einkünfte in Brasilien für den Zeitraum von 12 Monaten ab der Ausreise bestehen.

Die Existenz von Immobilien oder Finanzanlagen in Brasilien reicht für die Begründung der Ansässigkeit nicht aus. Eventuelle Einkünfte aus Immobilien oder Finanzanlagen sind an der Quelle zu versteuern. Die Tatsache, dass die betreffende Person nicht in Brasilien ansässig ist, ist eventuellen Mietern der Immobilie und den Finanzinstitutionen mitzuteilen, damit diese eventuell einschlägige Einbehalte vornehmen können.

Es ist möglich, dass man bei der Prüfung der Vorschriften des inländischen Rechts zum Ergebnis kommt, dass die betreffende Person in mehr als einem Land ansässig ist. Gibt es zwischen den Ländern der Ansässigkeit ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), muss dieses geprüft werden. Die DBAs sehen den Ort der Ansässigkeit im Allgemeinen dort, wo sich der Hauptwohnsitz befindet oder, falls sich die Wohnung an mehr als einem Ort befindet, dort, wo das Zentrum der vitalen Interessen liegt oder, falls dieses an mehr als einem Ort liegt, an dem Ort der Staatsangehörigkeit der betreffenden Person.

Werden Funktionen in mehr als einem Land ausgeübt oder stammt die Vergütung aus mehr als einem Land, in dem die Person ansässig sein kann, sind andere Regeln der erwähnten Abkommen zu beachten, was sowohl für den Ort der Besteuerung als auch für die Verhinderung der eventuellen Doppelbesteuerung gilt.

Jeder Fall ist unter Berücksichtigung seiner Eigenheiten spezifisch zu prüfen, wofür das Team von Stüssi-Neves gern zur Verfügung steht.

Patricia Giacomin Pádua
Partnerin der Steuerrechtsabteilung der Stüssi-Neves Advogados – São Paulo

Dieser Beitrag wurde von der Partnerin Patricia Giacomin Pádua
von der Steuerrechtsabteilung bei Stüssi-Neves Advogados – São Paulo erstellt.


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