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Brasilien: Steuerliche Auswirkungen der Aufteilung von Kosten und Aufwendungen

[veröffentlicht am 21.11.2017]

Zur besseren operativen Nutzung und Einsparungen von Ressourcen ist es bei Unternehmen, vor allem solchen, die zu derselben Wirtschaftsgruppe gehören, üblich sich Güter und Dienstleistungen zu teilen, um die inhärenten Kosten und Aufwendungen aufzuteilen.

Wir werden die steuerlichen Auswirkungen dieses Modells behandeln sowie die Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, damit die erstatteten Beträge nicht als Ertrag des Unternehmens, das die Verpflichtung zur Zahlung der gemeinsamen Aufwendungen übernimmt, angesehen werden, und damit bei dem Unternehmen, das den Betrag zahlt, bei der Ermittlung der Berechnungsgrundlage der Körperschaftssteuer (IRPJ) und der Sozialabgabe auf den Nettogewinn (CSLL) die Abzugsfähigkeit der Aufwendungen anerkannt wird.

Für die Aufteilung der Kosten und Aufwendungen bedarf es eines formellen Vertrages, in dem präzise die Form geregelt ist, in der das betreffende Unternehmen beiträgt oder sich an den Kosten und Aufwendungen beteiligt, die in einem anderen Unternehmen angefallen sind, und geregelt ist, in welcher Form deren Erstattung erfolgen soll.

Das brasilianische Bundesfinanzamt charakterisiert den Vertrag über die Aufteilung von Kosten und Aufwendungen wie folgt: „a) Aufteilung von Kosten und Risiken der Entwicklung, Herstellung und Beschaffung von Gütern, Dienstleistungen bzw. Rechten; b) Beitrag jedes einzelnen Unternehmens, der mit den erwarteten oder effektiv empfangenen individuellen Vorteilen konsistent ist; c) Identifikation des spezifischen Vorteils jedes Unternehmens der Gruppe (falls nicht davon ausgegangen wird, dass das Unternehmen irgendeinen Vorteil von der entfalteten Aktivität erwarten kann, darf es nicht Vertragspartei sein); d) Vereinbarung über die Erstattung, worunter die Erstattung von Kosten entsprechend der Mühe oder dem Aufwand bei der Entfaltung einer Aktivität ohne zusätzlichen Gewinnanteil verstanden wird; e) kollektiver Charakter des allen Unternehmen der Gruppe angebotenen Vorteils; f) Vergütung der Aktivitäten unabhängig von ihrer effektiven Nutzung, wobei Aktivitäten den übrigen Unternehmen der Gruppe „bereit zu stellen“ sind; g) Bedingungen zum Beitritt jedes der Unternehmen, das unter denselben Umständen interessiert ist, diesen Vertrag abzuschließen“.

Die Aufteilung von Aufwendungen an Dritte für die Lieferung von Wasser, Strom und andere ausgelagerte Leistungen, sowie die Aufteilung von Aufwendungen für die vom zentralisierenden Unternehmen selbst entfalteten Aktivitäten ist möglich, wobei in diesem letzten Fall zusätzliche Bedingungen für die Darlegung des Fehlens finanzieller Zuschläge mit der Charakteristik zu besteuernder Erträge zu beachten sind.

Die Aktivitäten, die Gegenstand der Aufteilung sind, dürfen nicht zum Kerngeschäft der involvierten Unternehmen gehören, da dies die Erbringung der Leistungen charakterisieren könnte, sondern es muss sich um Unterstützungsaktivitäten handeln, die Kriterien der Kostenteilung müssen objektiv sein und in den betreffenden Dokumenten entsprechend der Realität des ermittelten Benefits gut definiert werden. Es ist sicherzustellen, dass bezüglich der geteilten Aktivitäten keine Vergütung, sondern nur eine Erstattung von Aufwendungen erfolgt und dass die erstatteten den effektiv gezahlten Beträgen entsprechen.

In Bezug auf die Abzugsfähigkeit sind die allgemeinen und spezifischen Bedingungen zu beachten. Die aufgeteilten Kosten müssen laut Informationen des brasilianischen Bundesfinanzamtes „den nachweislich erhaltenen und effektiv gezahlten Gütern und Dienstleistungen entsprechen und für die Aktivitäten der Unternehmen notwendig, üblich und normal sein. Die Aufteilung muss, wenn sie erfolgt, angemessenen und objektiven Kriterien folgen, die in einer vorher von den Beteiligten formell abgeschlossenen Urkunde vereinbart worden sein müssen. Das Kriterium der Kostenteilung muss sich im Einklang befinden mit der effektiven Ausgabe jedes Unternehmens und mit dem für Güter und Dienstleistungen unter Beachtung technischer Buchhaltungsgrundsätze vereinbarten globalen Preis. Das den Erwerb der Güter und Dienstleistungen zentralisierende Unternehmen darf nur den ihm nach dem Kriterium der Kostenteilung zustehenden Teilbetrag als Aufwendung buchen. Die von den Gütern und Dienstleistungen begünstigten dezentralisierten Unternehmen müssen genauso verfahren und die unter Beachtung technischer Buchhaltungsgrundsätze zu erstattenden Teilbeträge als zu erstattende Forderungen buchen. Schließlich müssen das den Erwerb der Gütern zentralisierende Unternehmen sowie die dezentralisierten Unternehmen eine von allen direkt auf die Aufteilung der Verwaltungsaufwendungen bezogenen Akten getrennte Buchführung haben.“

Alle Operationen müssen bezüglich der Aufteilung im Einklang mit den technischen Buchhaltungsgrundsätzen gebucht werden, um eine eventuelle Überprüfung der Kontrollen durch die Steuerbehörden mit der erforderlichen Klarheit und Sicherheit zu gewährleisten. Es können auch Gutachten erstellt werden, die die Beachtung der Kriterien der Aufteilung und Kostenteilung belegen.

Kurz gesagt ist zunächst zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die adäquate Aufteilung der Aufwendungen vorliegen. Kommt man zum Ergebnis, dass eine Aufteilung von Kosten und Aufwendungen möglich ist, kann die Behandlung als einfache Vorauszahlung / Erstattung, ohne Notwendigkeit, durch das Ergebnis des zentralisierenden Unternehmens zu laufen, implementiert werden, was auch für die Abzugsfähigkeit für das Unternehmen gilt, das die Vorauszahlung / Erstattung vornimmt.

Dieser Beitrag wurde von der Partnerin Patricia Giacomin Pádua von der Steuerabteilung von Stüssi Neves Advogados – São Paulo erstellt;  patrícia.padua@stussinevessp.com.br


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