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Besteuerung von Kapitalgesellschaften in Frankreich

Die Antworten auf die folgenden Fragen werden Ihnen wesentliche, für die Praxis wichtige Hinweise für die Besteuerung von Kapitalgesellschaften in Frankreich geben. Den Fragenkatalog sowie die Antworten hat Ihnen die im deutsch-französischen Rechtsverkehr spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei EPP & KÜHL (Straßburg, Köln, Baden-Baden, Paris, Sarreguemines) erstellt.
Kontakt:
Herr Rechtsanwalt Emil Epp,
 epp@rechtsanwalt.fr, Tel. +33 (0)3 - 88 45 65 45
www.rechtsanwalt.fr


1. Wie hoch ist die Körperschaftsteuer in Frankreich?

2. Unter welchen Voraussetzungen unterliegt meine Gesellschaft in Frankreich dem ermäßigten Steuersatz für kleine und mittelständische Unternehmen?

3. Wie werden Verluste steuerlich behandelt?

4. Was muss ich über die Gewerbesteuer wissen?

5. Wie werden Dividenden besteuert?

6. Informationen und Hinweise zur steuergünstigen Gestaltung der Entlohnung des in Deutschland ansässigen Geschäftsführers


Antworten:


1. Wie hoch ist die Körperschaftsteuer in Frankreich?


Die reguläre Körperschaftsteuer in Frankreich liegt bei 33,33 %.

Unternehmen, die einen Umsatz von mehr als 250.000.000 EUR erwirtschaften, müssen zusätzlich eine contribution exceptionnelle (außerordentlicher Beitrag) von 10,7% der geschuldeten Körperschaftsteuer zahlen. Es ist derzeit vorgesehen, dass diese Zusatzsteuer bis zum 1.1.2017 erhoben wird.

Für Unternehmen mit einer Körperschaftsteuer von über 763.000 EUR/Jahr erhöht sich die Steuerlast um 3,3 % der Körperschaftsteuer, mit einem Freibetrag von 763.000 EUR. Gesellschaften, welche die nachfolgend aufgeführten Voraussetzungen erfüllen, unterliegen nicht dieser zusätzlichen Abgabe in Höhe von 3,3 %:

- die Umsätze der französischen Gesellschaft liegen bei unter 7.630.000 EUR/Jahr

oder

- 75 % der Anteile der Gesellschaft werden von natürlichen Personen gehalten, oder die französische Gesellschaft wird von einer deutschen Kapitalgesellschaft gehalten, die zu 75 % von natürlichen Personen gehalten wird, und deren Kapital voll einbezahlt wurde.


2. Unter welchen Voraussetzungen unterliegt meine Gesellschaft in Frankreich dem ermäßigten Steuersatz für kleine und mittelständische Unternehmen?

In Frankreich unterliegen Gesellschaften einem ermäßigten Steuersatz von 15 % für Gewinne bis 38.120 EUR, sofern folgende Voraussetzungen vorliegen:

1. Die französische Gesellschaft macht Umsätze von weniger als 7.630.000 EUR/Jahr bei voll eingezahltem Stammkapital und

2. 75 % der Anteile der Gesellschaft werden

- entweder von natürlichen Personen gehalten oder
- von einer deutschen Kapitalgesellschaft gehalten, deren Stammkapital voll einbezahlt wurde und
welche Umsätze von weniger als 7.630.000 EUR/Jahr erzielt, und die zu 75 % von natürlichen Personen gehalten wird.


3. Wie werden Verluste steuerlich behandelt?


Seit dem Veranlagungszeitraum 2011 gelten für Verlustvor- bzw. rückträge in Frankreich folgende neue Regeln:

(i) Verlustvortrag (report en avant):

Verluste können zeitlich unbefristet vorgetragen werden. Pro Geschäftsjahr ist jedoch höchstens ein Betrag von 1 Mio EUR, erhöht um 50 % des Betrages der darüber hinausgehenden Einkünfte, voll abzugsfähig.

Beispiel :

Ein Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2013 einen Gewinn von 1.200.000 € erwirtschaftet.
Der Verlust aus 2012 betrug 1.500.000 €.
Dieser Verlust kann mit dem Gewinn 2013 in Höhe eines Betrags von [1.000.000 € + 50% x (1.200.000 € - 1.000.000 €)] = 1.100.000 € verrechnet werden. Ein Teil des Gewinns aus 2013, d.h. 100.000 €, bleibt somit steuerpflichtig.
Der auf die nachfolgenden Geschäftsjahre vortragbare Verlust aus 2012 beträgt 1.500.000 € - 1.100.000 € = 400.000 €.

(ii) Verlustrücktrag (Carry back):

Der Verlustrücktrag, der vom Unternehmen unter Einhaltung bestimmter Fristen und Formalitäten bei seinem Finanzamt erklärt werden muss, ist sowohl zeitlich als auch der Höhe nach begrenzt.
Zeitlich ist der Rücktrag nur noch auf den Gewinn des Vorjahres möglich.
Was die Höhe anbelangt, so kann maximal der geringere Betrag der beiden folgenden Beträge rückgetragen werden: Gewinn des Vorjahres und 1.000.000 €.

Beispiel:

Ein Unternehmen optiert für den Rücktrag eines Verlusts in Höhe von 1.200.000 € aus 2013.
Sein Gewinn aus 2012 betrug 700.000 €.
Der Verlustrücktrag beträgt demnach 700.000 €.
Der Überschuss des Verlusts, d.h. 1.200.000 € - 700.000 € = 500.000 €, kann gemäss den oben unter (i) dargestellten Regeln vorgetragen werden.

Durch einen Verlustrücktrag ergibt sich für das Unternehmen eine Forderung gegen das Finanzamt in Höhe der auf den Vorjahresgewinn infolge des Verlustrücktrags zu viel gezahlten Körperschaftssteuer. Diese Forderung wird mit der in den 5 Folgejahren anfallende Körperschaftsteuer verrechnet. Bleibt am Ende dieser Fünfjahresperiode ein Überschuss dieser Forderung, wird dieser rückerstattet.


4. Was muss ich über die Gewerbesteuer wissen?

Frankreich hat die Gewerbesteuer (Taxe professionnelle) mit Wirkung zum 01.01.2011 abgeschafft. An die Stelle dieser Steuer ist eine neue kommunale Steuer getreten, die sogenannte „territoriale Wirtschaftsabgabe“ (Cotisation économique territoriale), kurz CET.

Dieser CET unterliegen – wie früher bei der Taxe professionnelle - alle Unternehmen (Handelsunternehmen, Gewerbebetriebe, Dienstleistungsunternehmen und Freiberufler), die in Frankreich regelmäßig tätig sind.

Die CET setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:
der Abgabe auf Immobilien des Unternehmens (Cotisation Foncière des Entreprises – CFE), die an den Mietwert der in Frankreich belegenen Immobilien eines Unternehmens anknüpft
und einer Wertschöpfungsabgabe (Cotisation sur la Valeur Ajoutée des Entreprises – CVAE) der Unternehmen, deren Jahresumsatz vor Umsatzsteuer 152.500 € übersteigt. Diese Abgabe knüpft an die Wertschöpfung des Unternehmens an und wird in Abhängigkeit von dem erzielten Jahresumsatz vor Umsatzsteuer zu einem progressiven Satz berechnet (maximaler Steuersatz: 1,5 %), wobei der Umsatz bis zu 500.000 € mit 0% besteuert wird und damit konkret steuerfrei bleibt.
Die CET ist auf 3 % der Wertschöpfung des Unternehmens begrenzt.


5. Wie werden Dividenden besteuert?

- Die Besteuerung von Dividenden ergibt sich grundsätzlich aus Artikel 9 des deutsch-französischen Doppelbesteuerungsabkommens.

So werden Dividenden, die von einer französischen Gesellschaft an ein deutsches Unternehmen gezahlt werden, grundsätzlich in Deutschland versteuert. Frankreich hat jedoch prinzipiell das Recht zur Erhebung einer Quellensteuer von maximal 15% der Bruttodividende.

Diese Quellensteuer fällt nicht an, wenn es sich sowohl bei der ausschüttenden französischen Gesellschaft als auch bei dem deutschen Dividendenempfänger um Kapitalgesellschaften handelt und der deutsche Dividendenempfänger an der französischen ausschüttenden Gesellschaft eine Beteiligung von mindestens 10% hält.

In Deutschland werden die Dividenden zu 95 % nicht besteuert, solange keine Ausschüttung aus der Kapitalgesellschaft erfolgt. 5 % der Dividenden unterliegen der Besteuerung.

Im Übrigen erfolgt die Besteuerung erst, wenn die Dividenden aus der deutschen Kapitalgesellschaft an die natürlichen Personen (Gesellschafter der deutschen Gesellschaft) ausgeschüttet werden. Sie erfolgt nach dem Halbsteuersatz (Halbeinkünfteverfahren).

- Hält eine in Deutschland ansässige natürliche Person die Anteile an der französischen Kapitalgesellschaft (weniger als 10 %), erhebt der französische Staat bei Ausschüttung der Dividenden an die natürliche Person eine 15 %-ige Quellensteuer. In Deutschland werden die Dividenden zum Halbsteuersatz besteuert, wobei die Zahlung der 15 %-igen Quellensteuer in Frankreich auf den in Deutschland zu zahlenden Betrag angerechnet wird.


6. Informationen und Hinweise zur steuergünstigen Gestaltung der Entlohnung des in Deutschland ansässigen Geschäftsführers

Für Geschäftsführer oder Arbeitnehmer, die sowohl in Deutschland als auch in Frankreich tätig sind und in Deutschland ihren Wohnsitz haben, gibt es eine steuergünstige Gestaltungsmöglichkeit. Voraussetzung ist, dass diese Person kein Mehrheitsgesellschafter der französischen GmbH ist (keine direkte oder indirekte Beteiligung von 50 % oder mehr) und in Deutschland ausserhalb der deutsch-französischen Grenzregion ihren Wohnsitz hat.

In diesem Fall unterliegt das französische Einkommen in Frankreich nur einer besonderen progressiven Quellenbesteuerung und nicht der normalen Progression der französischen Einkommenssteuer.

Diese erfolgt in drei Stufen:
gemäss den französischen Regeln ermitteltes zu versteuerndes Jahreseinkommen* von bis zu 14.359 EUR : 0%.
Tranche des zu versteuerndes Jahreseinkommen zwischen 14.359 EUR und 41.658 EUR : 12 %
Tranche oberhalb von 41.658 EUR : 20 %

Diese Zahlen gelten für 2014, wobei die Schwellenwerte jedes Jahr an die allgemeine Inflation angepasst werden.
(*Das zu versteuernde Jahreseinkommen umfasst die feste und jegliche variable Vergütung sowie eventuelle Sachleistungen. Davon abgezogen wird u.a. eine Pauschale für Werbungskosten in Höhe von 10%.)

Daraus folgt eine geringe effektive Besteuerung in Frankreich.
Beträgt beispielsweise das in Frankreich zu versteuernde Jahreseinkommen eines Geschäftsführers 35.000 EUR, so beläuft sich die französische Quellensteuer auf ca. 7 %,
Der Teil des Einkommens, der unterhalb der Grenze von 14.359 EUR liegt, ist von der normalen Einkommensteuer in Frankreich befreit und muss auch in Deutschland nicht mehr versteuert werden. Er unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt in Deutschland, d.h. er wird bei der Bestimmung des prozentualen Einkommensteuersatzes, der in Deutschland auf das Einkommen angewandt wird, berücksichtigt.

Günstig ist dieses Modell allerdings nur, wenn in Frankreich die Zahlung von Sozialabgaben vermieden werden kann. In Frankreich sind dann keine Sozialabgaben zu leisten, wenn die Person, die die Entlohnung bezieht, ihren Wohnsitz in Deutschland hat und in Deutschland und Frankreich denselben sozialversicherungsrechtlichen Status hat (also z.B. in beiden Ländern Arbeitnehmer oder in beiden Ländern selbständig tätig ist).


Stand der Bearbeitung: Januar 2015



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