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Juristische Themen

Vertragsschluss Arbeitnehmer in Griechenland

Die Antworten auf die folgenden Fragen werden Ihnen wesentliche, für die Praxis wichtige Hinweise für Ihre Beziehung mit Ihrem Arbeitnehmer in Griechenland geben. Den Fragenkatalog sowie die Antworten hat Ihnen die im deutsch-griechischen Rechtsverkehr spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei KOSMIDIS & PARTNER ANWALTSGESELLSCHAFT erstellt.
Kontakt:
Herr Rechtsanwalt Abraam Kosmidis, info@rechtsanwalt.gr, Tel. +30 – 23920 57167
www.rechtsanwalt.gr


1. Welche Arten von Arbeitsverträgen gibt es?

2. Kann ich mit dem in Griechenland ansässigen Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag nach deutschem Recht abschließen?

3. Muss ich die griechischen Tarifverträge beachten?

4. Welche Kategorien von Arbeitnehmern gibt es?

5. Was ist die gesetzliche Arbeitszeit?

6. Wie ist die gesetzliche Urlaubsregelung?

7. Gibt es gesetzliche Mindestlöhne?

8. Was versteht ein griechischer Arbeitnehmer unter Nettolohn?

9. Was ist bei der Verhandlung der Entlohnung der Arbeitnehmer zu beachten?

10. Wie ist die Steuerbelastung für Arbeitnehmer in Griechenland im Vergleich zu Deutschland?

11. Wie hoch sind in Griechenland die Sozialabgaben?

12. Kann der Arbeitnehmer an seinem Wohnort einen Telefon- und Faxanschluss einrichten?

13. Kann ich das bei Streitigkeiten mit Arbeitnehmern zuständige Gericht vertraglich bestimmen?


Antworten:


1. Welche Arten von Arbeitsverträgen gibt es?

In Griechenland gibt es befristete und unbefristete Arbeitsverträge. Grundsätzlich sind Arbeitsverträge unbefristet. Befristete Arbeitsverträge sind aber genauso häufig anzutreffen. Für befristete Arbeitsverträge gelten keine speziellen Regelungen. Bei mehrmaliger Befristung ist jedoch darauf zu achten, dass bei diesen sogenannten Kettenarbeitsverträgen ein unbefristeter Arbeitsvertrag entstehen kann.
Sowohl in unbefristeten als auch in befristeten Arbeitsverträgen kann eine Probezeit vereinbart werden. Eine bestimmte Dauer ist von Gesetzes wegen nicht vorgesehen, ergibt sich jedoch inzident aus dem Umstand, dass der Arbeitgeber bei einer Kündigung binnen der ersten beiden Beschäftigungsmonate keine Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes zu bezahlen ist.


2. Kann ich mit dem in Griechenland ansässigen Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag nach deutschem Recht abschließen?

Sie können mit in Griechenland tätigen und in Griechenland wohnhaften Arbeitnehmern nicht die Verträge verwenden, die Sie normalerweise in Deutschland benutzen. In jedem Falle müssen mindestens die Schutzvorschriften des griechischen Arbeitsrechts eingehalten werden. Zu diesen Schutzvorschriften gehören Mindestlohn, Arbeitszeitregelung, einige Kündigungsvorschriften, tarifvertragliche Schutzvorschriften etc. Aufgrund der Verträge von Rom von 1980 ist es theoretisch möglich, deutsches Recht zu vereinbaren. Da die genannten Schutzvorschriften griechischen Rechts jedoch eingehalten werden müssen, ist es sinnvoller, griechisches Recht für den gesamten Vertrag zu vereinbaren. Dies erleichtert die Vertragsgestaltung, bringt Rechtssicherheit und gibt Ihnen eine bessere Position vor griechischen Arbeitsgerichten.

Wird keine Rechtswahl für den Arbeitsvertrag getroffen, ist das Recht des Landes anzuwenden, in dessen Hoheitsgebiet die Arbeitsleistung erbracht wird. (lex loci laboris) oder des Landes, in dessen Hoheitsgebiet sich die Firma befindet, welche den Arbeitnehmer eingestellt hat.


3. Muss ich die griechischen Tarifverträge beachten?

Die griechischen Tarifverträge sind für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer bindend. Die Nichteinhaltung, insbesondere durch die Arbeitgeber hat verschiedene Bußgelder und weitere Maßnahmen zur Folge. Infolgedessen müssen sämtliche Unternehmen, die in der jeweiligen Branche tätig sind, die Tarifverträge einhalten. Es gibt aber eine sehr große Anzahl von Tarifverträgen. Bei der Gestaltung der Arbeitsverträge ist auf die Beachtung der Tarifverträge besonderes Augenmerk zu richten.


4. Welche Kategorien von Arbeitnehmern gibt es?

In Griechenland wie in Deutschland wird zwischen Arbeitern und Angestellten unterschieden. Als Angestellte werden die Mitarbeiter bezeichnet, deren Arbeitsleistung im wesentlichen oder ausschließlich in der Erbringung geistiger Leistungen besteht, während die Arbeiter ihre Leistung durch körperliche Arbeit erbringen. Es existieren verschiedene Lohn- und Gehaltstabellen für Arbeiter und Angestellte. Weitere Unterschiede bestehen bei der Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes und beim Jahresurlaub.

Eine weitere besondere Untergruppe der Angestellten stellen die leitenden Angestellten dar, welche zwar unter die Regelungen der Arbeitsgesetze für Angestellte fallen, soweit sie in abhängigen Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind, es finden auf sie jedoch einige Bestimmungen keine Anwendung (z.B. Wochenarbeitszeit, Überstunden, Feiertagsregelungen etc.).


5. Was ist die gesetzliche Arbeitszeit?

Die in Griechenland derzeit geltende gesetzliche Arbeitszeit beträgt 40 Arbeitsstunden pro Woche. Die höheren leitenden Angestellten (ανώτερα διευθυντικά στελέχη-anotera diefthintika stelechi), die die höchste Kategorie der leitenden Angestellten darstellen, sind nicht der gesetzlichen Arbeitszeit unterworfen. Darüber hinaus ist es in manchen Branchen aufgrund von Tarifverträgen erlaubt, eine bestimmte Anzahl von Arbeitstagen oder Arbeitsstunden pro Jahr zu vereinbaren. In diesem Fall unterliegen die davon betroffenen Angestellten nicht der 40-Stunden-Woche.

Überstunden sind gesetzlich und tarifvertraglich begrenzt und müssen erhöht vergütet oder durch zusätzliche Urlaubsansprüche ausgeglichen werden.


6. Wie ist die gesetzliche Urlaubsregelung?

Der gesetzliche Mindesturlaubsanspruch beträgt in Griechenland 20 Arbeitstage (oder 24 Tage, wenn man eine 6-Tage-Woche zugrunde legt). Dies bedeutet, dass die Arbeitnehmer vier Wochen pro Jahr gesetzlichen Urlaub haben. Hierbei ist außerdem in den Tarifverträgen zu prüfen, ob zusätzliche Urlaubstage bei bestimmten Ereignissen (z.B. Familienfeiern, Tod von Angehörigen, längere Betriebszugehörigkeit o.ä.) zu gewähren sind. Die Jahresurlaubstage erhöhen sich mit höherer Betriebszugehörigkeit.


7. Gibt es gesetzliche Mindestlöhne?

Es gibt gesetzliche und tarifvertragliche Mindestlöhne. Der gesetzliche Mindestlohn wird alle sechs Monate festgesetzt und liegt seit dem 01.07.2011 bei 751,39 EUR pro Monat für die Angestellten und bei 33,57 Euro Tageslohn für die Arbeiter. Die tarifvertraglichen Mindestlöhne sind nach Kategorien von Arbeitnehmern festgelegt. In jedem griechischen Arbeitsvertrag wird der Arbeitnehmer einer Einstellungskategorie zugeordnet, aus der sich sein tarifvertraglicher Mindestlohn ergibt.


8. Was versteht ein griechischer Arbeitnehmer unter Nettolohn?

Spricht ein in Griechenland wohnhafter Arbeitnehmer von Nettolohn, so meint er den Bruttolohn nach Abzug der Sozialabgaben. Vom „griechischen Nettolohn“ sind also noch die Steuern abzuziehen, um auf den „deutschen Nettolohn“ zu kommen. Allerdings fallen die Steuern in Griechenland wegen der vielfältigen Abzugsmöglichkeiten geringer aus als in Deutschland.

Darüber hinaus gibt es in Griechenland einen Quellensteuerabzug auf Löhne. Der Arbeitgeber ist gemäß Art. 57 G. 2238/1994 verpflichtet, die Steuern des Arbeitnehmers einzubehalten.


9. Was ist bei der Verhandlung der Entlohnung der Arbeitnehmer zu beachten?

Grundsätzlich besteht in Griechenland bei Arbeitnehmern die Tendenz, ihre Forderungen zunächst sehr hoch anzusetzen. Sie gehen aber nicht immer davon aus, dass sie diese Forderungen durchsetzen können.

Des weiteren ist zu beachten, dass die Lohnsteuerbelastung der Arbeitnehmer in Griechenland bedeutend geringer ist als die Steuerbelastung der in Deutschland versteuernden Arbeitnehmer. Der Vergleich von Bruttolöhnen für die entsprechenden Positionen bei Unternehmen, die in Deutschland und in Griechenland tätig sind, wird also in der Praxis zu Ungleichheiten führen.

Bei Vertriebsmitarbeitern ist zu beachten, dass das Fixgehalt nicht zu hoch sein sollte. Es ist zu empfehlen, einen relativ hohen variablen Teil aufzunehmen. In der Regel ist es schwierig, zu einem späteren Zeitpunkt von einmal zugestandenen Fixgehältern wieder abzurücken, da in den status quo kaum eingegriffen werden kann.


10. Wie ist die Steuerbelastung für Arbeitnehmer in Griechenland im Vergleich zu Deutschland?

Der Steuerfreibetrag für Lohn- und Gehaltsempfänger, sowie für Rentner beträgt in Griechenland 12.000 € jährlich. Die Steuerprogression reicht bis 45 % für Jahresgehälter über 100.000,-- Euro.
Die auf das Einkommen aus dem Arbeitsvertrag zu zahlende Steuer ist in Griechenland grundsätzlich bedeutend geringer als in Deutschland. Ca. 50 % der griechischen Bevölkerung zahlt keine Einkommenssteuer. Gesetzliche Steuererleichterungen bestehen für Familien mit drei Kindern und mehr. Außerdem bestehen weitere Steuerfreibeträge z.B. für Hausangestellte oder Kinderbetreuung etc.


11. Wie hoch sind in Griechenland die Sozialabgaben?

Die Sozialabgaben sind in Griechenland hoch. Neben den gesetzlichen Sozialabgaben gibt es gesetzlich vorgeschriebene zusätzliche Versicherungen und in bestimmten Bereichen aufgrund von Tarifverträgen bzw. üblicherweise aufgrund des Status des Arbeitnehmers gewährte Zusatzversicherungen (z.B. Zusatzkrankenversicherung bzw. Zusatzlebensversicherung). Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass der Arbeitgeber ca. 30 – 40 % des Bruttolohnes zusätzlich an Sozialversicherungsbeiträgen abführen muss.


12. Kann der Arbeitnehmer an seinem Wohnort einen Telefon- und Faxanschluss einrichten?

Zur Reduzierung der Verwaltungskosten wird bei Vertriebsmitarbeitern häufig in deren Wohnung ein Telefon- und Faxanschluss eingerichtet. Dies ist rechtlich zulässig. Der Telefon- und Faxanschluss sollte jedoch von dem privaten Telefon- und Faxanschluss getrennt sein. Dies ist insbesondere dann von Vorteil, wenn der Vertrag des Arbeitnehmers endet. Es sollte schriftlich geregelt werden, was nach Beendigung des Arbeitsvertrages mit diesem Telefon- und Faxanschluss geschieht.

In der Praxis wird es für in Griechenland nicht niedergelassene Unternehmen nicht möglich sein, einen solchen Telefon- und Faxanschluss auf das Unternehmen anzumelden. Der Arbeitnehmer muss demnach diesen Telefon- und Faxanschluss auf seinen Namen anmelden und die Kosten entsprechend als verauslagt in Rechnung stellen.

Es ist darauf zu achten, dass die Art und Weise der Tätigkeit des Arbeitnehmers nicht dazu führt, dass die griechischen Behörden das Vorliegen einer Betriebsstätte im Sinne des Doppelbesteuerungsabkommens annehmen. Der Arbeitnehmer darf generell und insbesondere bei Erklärungen gegenüber den griechischen Steuerbehörden nicht als die griechische Niederlassung des deutschen Unternehmens auftreten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass von den griechischen Behörden für die in Griechenland erzielten Gewinne Steueransprüche gegenüber dem deutschen Unternehmen geltend gemacht werden. Auch könnte in diesem Fall verlangt werden, dass das deutsche Unternehmen für seine in Griechenland getätigten Umsätze eine zusätzliche Buchhaltung und Bilanz nach griechischem Recht führt.


13. Kann ich das bei Streitigkeiten mit Arbeitnehmern zuständige Gericht vertraglich bestimmen?

Der Arbeitnehmer kann stets bei dem zuständigen Arbeitsgericht seines Wohnorts klagen. Eine Gerichtsstandsvereinbarung, die im Arbeitsvertrag bestimmt, dass die Gerichte am Sitz des Arbeitgebers zuständig sind, ist nichtig. Eine solche Gerichtsstandsvereinbarung könnte lediglich nach Entstehen der Streitigkeit getroffen werden.

Der Arbeitnehmer kann auch am Sitz des Arbeitgebers klagen. Der Arbeitgeber kann am Sitz des Arbeitnehmers oder am Ort, an welchem die Leistung erbracht wird, klagen.

[Rechtsquellen: Art. 22, 664 griechische ZPO]


Stand: 1. September 2011



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