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Vorteile der möglichen Gesellschaftsformen in Griechenland

Die Antworten auf die folgenden Fragen werden Ihnen wesentliche, für die Praxis wichtige Hinweise zu den Vorteilen der verschiedenen in Betracht kommenden Gesellschaftsformen und zu den Gepflogenheiten in Griechenland geben. Den Fragenkatalog sowie die Antworten hat Ihnen die im deutsch-griechischen Rechtsverkehr spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei KOSMIDIS & PARTNER ANWALTSGESELLSCHAFT erstellt.
Kontakt:
Herr Rechtsanwalt Abraam Kosmidis, info@rechtsanwalt.gr, Tel. +30 – 23920 57167
www.rechtsanwalt.gr


1. Welche Gesellschaftsformen kommen in Betracht?

2. Wie ist das Standing der verschiedenen Gesellschaftsformen in Griechenland?

3. Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen der EPE und der AE?

4. Wann kommt die Gründung einer EPE in Betracht?

5. Wie hoch sind die Gründungskosten bei den verschiedenen Gesellschaftsformen?


Antworten:


1. Welche Gesellschaftsformen kommen in Betracht?

Grundsätzlich wird, wie allgemein üblich, in Personen- und Kapitalgesellschaften unterschieden.

Zu den Personengesellschaften zählen die Offene Handelsgesellschaft OHG (OE: Omorythimi Eteria), die Kommanditgesellschaft KG (EE: Eterorythimi Eteria) und die stille Gesellschaft griechischen Rechts.

Kapitalgesellschaften sind die griechische Gesellschaft mit beschränkter Haftung (EPE: Eteria Periorismenis Efthinis), die griechische Aktiengesellschaft (AE: Anonymi Eteria), die griechische Kommanditgesellschaft auf Aktien KGaA (Eterorithmi Eteria kata metochon), ferner auch die Genossenschaften.

Als Mischform existiert in Griechenland ferner die aus Deutschland bekannte GmbH & Co. KG (EPE & SIA EE). Dabei handelt es sich um eine Kommanditgesellschaft (Personengesellschaft) deren alleinig haftende Gesellschafterin eine GmbH (Kapitalgesellschaft) ist.

Personengesellschaften werden für die Gründung eines ausländischen Unternehmens in Griechenland, mit Ausnahmen der GmbH & Co. KG griechischen Rechts, weitestgehend bereits aufgrund der weitreichenden Haftung nicht in Frage kommen.

Derzeit gründen ausländische Unternehmen in Griechenland in den meisten Fällen entweder eine GmbH griechischen Rechts oder eine Aktiengesellschaft, seltener eine GmbH & Co. KG.

Während die in Griechenland weit verbreitete EPE, die im Übrigen auch mit einem Gesellschafter als „Einmann GmbH“ – Monoprosopi EPE entstehen kann, durch einen Geschäftsführer vertreten werden kann, wird die in Griechenland ebenfalls weit verbreitete Aktiengesellschaft durch den Verwaltungsrat geleitet, welchem der Vorsitzende des Verwaltungsrats (Proedros Diikitikou simvouliou) vorsteht. Die Verwaltungsratsmitglieder müssen nicht unbedingt Aktionäre der Gesellschaft sein. Der diefthinon simvoulos ist der Generaldirektor der Gesellschaft, dieser ist kein Gesellschaftsorgan und muss deshalb auch nicht zwingend bestellt werden. Die griechische Aktiengesellschaft hat gewisse Ähnlichkeit mit der vereinfachten französischen Aktiengesellschaft SAS (Société par actions simplifiée). Die in Deutschland bekannte Aktiengesellschaft mit Vorstand und Aufsichtsrat existiert in dieser Form in Griechenland hingegen nicht.

Die Aktiengesellschaft griechischen Rechts hat einen Verwaltungsrat mit meist drei oder fünf Verwaltungsratsmitgliedern sowie einen Generaldirektor. Die Aktiengesellschaft (AE) bietet sehr weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten. Bei der Gründung benötigt man mittlerweile aufgrund aktueller Gesetzesänderung mindestens einen (statt früher zwei) Aktionäre. Damit wird die Form der Ein-Mann-Aktiengesellschaft wie bei der Ein-Mann-GmbH auch in Griechenland ermöglicht. Bei einer späteren Übertragung der Aktienanteile kann die Gesellschaft ausnahmsweise auch dann fortbestehen, wenn sich sämtliche Aktien in der Hand eines Aktionärs befinden. In diesem Fall bestehen jedoch besondere Regelungen im Zusammenhang mit der Buchführung der Gesellschaft.


2. Wie ist das Standing der verschiedenen Gesellschaftsformen in Griechenland?

Die GmbH griechischen Rechts (EPE) wird vorwiegend für mittlere Unternehmen genutzt und hat sich wegen ihrer hohen Flexibilität weit verbreitet. Kleine und mittlere sowie familiengeführte Gesellschaften werden traditionell in Form der EPE geführt.

Auch die griechische Aktiengesellschaft (AE) hat eine weite Verbreitung gefunden, weil sie nicht so strenge Anforderungen wie z.B. die deutsche Aktiengesellschaft stellt und einige Ähnlichkeiten mit der „vereinfachten“ französischen Aktiengesellschaft SAS aufweist, während sie ein relativ hohes Ansehen bei den Geschäftspartnern, Banken etc. genießt.

Heute haben die griechische Gesellschaft mit beschränkter Haftung (EPE) und die Aktiengesellschaft (AE) die anderen Formen der Kapitalgesellschaften weitgehend verdrängt. Der Vorteil dieser beiden Gesellschaftsformen besteht in den relativ flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten. Sowohl die EPE als auch die AE können gut an die Herausforderungen des modernen Wirtschaftslebens angepasst werden.

Bei der Aktiengesellschaft müssen Abschlussprüfer bestellt werden, welche während des Geschäftsjahres die Buch- und Geschäftsführung der AE zu überwachen haben. Dies hat den positiven Nebeneffekt zur Folge, dass die AE auch beim Auftreten gegenüber den Banken ein bevorzugtes Medium darstellt.

Die griechische GmbH & Co. KG (EPE & SIA EE) als Personengesellschaft mit der Komplementärs-GmbH als alleinig haftende Gesellschafterin vereinigt die Vorteile der GmbH/EPE, also insbesondere der Haftungsbeschränkung auf das einbezahlte Stammkapital mit der relativ einfachen Gesellschaftsführung der KG (EE). Ferner bietet die KG als Personengesellschaft besondere steuerliche Vorteile gegenüber Kapitalgesellschaften. Trotz dieser Vorteile hat die GmbH & Co. KG/EPE & SIA EE bislang noch keine nennenswerte Verbreitung in Griechenland gefunden.


3. Was sind die wesentlichen Vorteile der AE und der EPE?

Folgende Möglichkeiten bzw. Vorteile gibt es bei der griechischen Aktiengesellschaft (AE: Anonymi Eteria):

  • Das Standing der AE nach außen ist deutlich besser als das der EPE.
  • Die Nichtabtretbarkeit von Aktien kann für einen gewissen Zeitraum vereinbart werden.
  • Hohe Flexibilität beim Ein- und Austritt von Aktionären bzw. bei der Übertragung von Aktien.
  • Einige griechische Fördergesetze sehen als Rechtsform für die Gewährung von Fördermitteln die AE vor.
  • Aktionäre haben nur Rechte, hingegen bis auf die Leistung der übernommenen Kapitaleinlage keine Pflichten.

Die griechische Gesellschaft mit beschränkter Haftung bietet folgende Vorteile:
  • Hohe Flexibilität bei der Gestaltung der Satzung, so z.B. im Hinblick auf das Verhältnis der Gesellschafter untereinander (die diesbezüglichen Regelungen sind meist dispositiv) und bei den Gesellschafterversammlungen (für die Beschlussfassung können geringe formale Erfordernisse vereinbart werden).
  • Geringerer finanzieller Aufwand, Mindestkapital 4.500 EUR bei der EPE gegenüber 60.000 bei der AE.
  • Das GmbH-Recht ist flexibler als das strengere Recht der Aktiengesellschaften.
  • Keine Abschlussprüfer als Pflichtorgane wie bei der AE erforderlich.


4. Wann kommt die Gründung einer EPE in Betracht?

Die Gründung einer EPE kommt insbesondere dann in Betracht, wenn die Gesellschaftsstruktur zunächst einfach und überschaubar gehalten werden soll, um eine möglichst flexible und kostengünstige Installierung der Gesellschaft im Ausland zu ermöglichen. Die Form der EPE ist auch dann passend, wenn keine hohe Gesellschafterfluktuation zu erwarten ist. Die EPE kann ferner unter der Voraussetzung geeignet sein, dass das Vertrauen in die Gesellschaftsform bei Kunden, Banken und anderen Dritten nicht unmittelbar im Vordergrund der Geschäftsverbindung steht und deshalb keine andere Rechtsform erfordert. Auch bei überwiegendem Geschäftsverkehr mit Privatkunden kann die EPE die richtige Gesellschaftsform sein.


5. Wie hoch sind die Gründungskosten bei den verschiedenen Gesellschaftsformen?

In Griechenland muss bei der Gründung einer AG und GmbH sowohl ein Rechtsanwalt als auch ein Notar zur Durchführung der Gründungsformalitäten hinzugezogen werden.

Die reinen Kosten für die Durchführung der Formalitäten bis zur Eintragung der Gesellschaft setzen sich wie folgt zusammen:
  • Notarkosten ca. 300 EUR Grundbetrag + 1,3 % des Gesellschaftskapitals,
  • Zwangsabgaben für die Rechtsanwaltskammer (ca. 1 % des Gesellschaftskapitals),
  • Finanzamt 1 % Kapitalkumulationssteuer auf das Gesellschaftskapital,
  • diverse Kosten für Veröffentlichungen, Kosten der Industrie- und Handelskammer, Registerkosten beim Landgericht etc.,
  • Rechtsanwaltshonorar je nach Vereinbarung.

Bei der Gründung einer griechischen GmbH mit dem Mindeststammkapital in Höhe von 4.500 EUR fallen demnach Gesamtgründungkosten in Höhe von ca. 900 EUR zuzüglich Anwaltshonorar an, während bei der Aktiengesellschaft griechischen Rechts (mit dem Mindestkapital von 60.000 EUR) ca. 2.500 EUR zuzüglich Anwaltshonorar anfallen.

Ferner wird darauf hingewiesen, dass seit April 2011 ein neues Gesetz über die beschleunigte Gründung von Gesellschaften in Griechenland gilt. Demnach sind sämtliche Gründungskosten beim Notar im Voraus zu bezahlen, der dann die Verteilung bei den Behörden selbst vornimmt.


Stand: 1. September 2011


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