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Juristische Themen

Mehrwertsteuer in Spanien

Die Antworten auf die folgenden Fragen werden Ihnen wesentliche, für die Praxis wichtige Hinweise für Ihre Mehrwertsteuerpflichten in Spanien geben. Den Fragenkatalog sowie die Antworten hat Ihnen die im deutsch-spanischen Rechtsverkehr spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei MONEREO, MEYER, MARINEL-LO (Madrid, Barcelona, Palma de Mallorca, Berlin) erstellt.
Kontakt:
Herr Rechtsanwalt Stefan Meyer, smeyer@mmmm.es, Tel. +34 – 91-319 96 86
www.mmmm.es


1. Wie hoch ist der Mehrwertsteuersatz in Spanien?

2. Muss ich bei Warensendungen nach Spanien die Mehrwertsteuer in Spanien abführen?

3. Muss ich bei der Erbringung von Dienstleistungen in Spanien die Mehrwertsteuer in Spanien abführen?

4. Muss ich bei Warenlieferungen in Verbindung mit der Erbringung einer Dienstleistung in Spanien (z.B. Montage einer verkauften Maschine) die Mehrwertsteuer in Spanien abführen?

5. Wie kann ich die Mehrwertsteuer in Spanien abführen?

6. Wie bekomme ich eine spanische Umsatzsteueridentifikationsnummer?

7. Welche Vorteile hat die Bestellung eines representante fiscal (Steuerbevollmächtigter, der meine Mehrwertsteuerangelegenheiten regelt)?

8. Wo sitzt das für mich zuständige Finanzamt?


Antworten


1. Wie hoch ist der Mehrwertsteuersatz in Spanien?

Der Regelsteuersatz der Mehrwertsteuer in Spanien beträgt 21%.
In bestimmten Fällen kommt ein reduzierter Steuersatz in Höhe von 10% zur Anwendung, zum Beispiel bei bestimmten Bautätigkeiten und beim Verkauf von Wohnungen zum Erstbezug unter gewissen Voraussetzungen.

Schließlich gibt es einen besonderen reduzierten Steuersatz in Höhe von 4 %, der zum Beispiel auf den Verkauf von Grundnahrungsmitteln, die nicht bearbeitet wurden, zur Anwendung kommt.


2. Muss ich bei Warensendungen nach Spanien die Mehrwertsteuer in Spanien abführen?

Bei einer Warensendung nach Spanien aus einem Land der Europäischen Gemeinschaft muss ich bei Vorliegen der folgenden Voraussetzungen keine Mehrwertsteuer abführen:

  • Der Kunde ist ein in Spanien niedergelassener Unternehmer.
  • Sowohl der Lieferant (zum Beispiel ein Unternehmen mit Sitz in Deutschland) als auch der spanische Kunde verfügen über eine innergemeinschaftliche europäische Mehrwertsteuernummer und sind beim VIES angemeldet.
  • Die Übergabe der Ware in Spanien kann nachgewiesen werden (zum Beispiel durch den entsprechenden Lieferschein, eine Rechnung, Ladepapiere).
Wenn diese Voraussetzungen erfüllt werden, muss das deutsche Unternehmen für die Lieferung keine spanische Mehrwertsteuer abführen.


3. Muss ich bei der Erbringung von Dienstleistungen in Spanien die Mehrwertsteuer in Spanien abführen?

Sollte der Empfänger der Dienstleistung ein in Spanien ansässiger Unternehmer im Sinne des spanischen Umsatzsteuergesetzes sein, würde in der Regel die sogenannte Reverse-Charge-Rule (Umkehrung des Steuerpflichtigen) Anwendung finden. In diesem Falle würde der spanische Unternehmer als Steuerpflichtiger der Transaktion gelten und der deutsche Unternehmer sollte dann eine Rechnung ohne Mehrwertsteuer ausstellen. Wir gehen davon aus, dass die deutsche Gesellschaft in Deutschland ansässig ist. In diesem Fall, müssten beide Parteien der Transaktion über eine Umsatzidentifikationsnummer (VIES) verfügen.

Grund hierfür ist, dass im Allgemeinen der Ort, in dem der Empfänger der Dienstleistung ansässig ist, als Ort der Dienstleistung gilt.

Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass im Rahmen der Mehrwertsteuer spezielle Regelungen bezüglich der Bestimmung des Dienstleistungsorts bzw. der Anwendung der Reverse-Charge-Rule maßgeblich sein könnten. Deshalb ist aufgrund der besonderen Umstände des Einzelfalls jeder Fall genau zu prüfen.


4. Muss ich bei Warenlieferungen in Verbindung mit der Erbringung einer Dienstleistung in Spanien (z.B. Montage einer verkauften Maschine) die Mehrwertsteuer in Spanien abführen?

Grundsätzlich muss der ausländische Unternehmer bei Lieferung einer Maschine zur Montage und Installation in Spanien keine spanische Mehrwertsteuer abführen (siehe oben).

Dessen ungeachtet gilt aber bei einer Warenlieferung, die vor der Übergabe an den Kunden durch den Lieferanten montiert oder installiert werden muss, Folgendes: Die Dienstleistungen zur Montage der Waren unterliegen der spanischen Mehrwertsteuer, wenn die Kosten der Installation oder Montage 15% des Wertes der Gesamtgegenleistung für die gelieferten und einzubauenden Waren übersteigen und eine feste Verbindung der Waren mit dem Boden erfolgt.
Die Montage und die Lieferung der Waren, die montiert werden, sind dann als einheitliche Leistung anzusehen, die der spanischen Steuer unterliegt.

Sollte der Empfänger der Ware jedoch ein in Spanien ansässiger Unternehmer im Sinne des spanischen Umsatzsteuergesetzes sein, könnte hier erneut die Reverse-Charge-Rule angewendet werden. Im Ergebnis würde der spanische Unternehmer als Steuerpflichtiger der Transaktion gelten. In diesem Fall, gehen wir davon aus, dass die deutsche Gesellschaft über keine Betriebstätte im Sinne des spanischen Mehrwertsteuergesetzes verfügen würde.

Darüber hinaus, möchten wir darauf hinweisen, dass die spanische Regierung im Oktober 2012 neue Regeln für die Anwendung der Reverse-Charge-Rule im Rahmen von Werkarbeiten für den Wiederaufbau bzw die Errichtung von Gebäuden eingeführt hat. In diesen Zusammenhang würde in der Regel die Reverse-Charge-Rule Anwendung finden.

Weiterhin, muss der ausländische Unternehmer eine Rechnung ohne Mehrwertsteuer ausstellen.


5. Wie kann ich die Mehrwertsteuer in Spanien abführen?

Zunächst muss umgehend beim zuständigen Finanzamt (siehe unten) durch die Vorlage des Formulars 036 eine Steuernummer (Número de Identificación Fiscal, NIF) für die Gesellschaft beantragt werden.

Zur Erklärung der Mehrwertsteuer muss eine entsprechende Steuererklärung (Formular 303) unter Angabe der von der spanischen Steuerverwaltung zugewiesenen Steuernummer und Einzahlung der Mehrwertsteuerschuld bei dem zuständigen Finanzamt abgegeben werden.

Die Steuerpflichtigen sind verpflichtet, das Formular 303 monatlich bzw. vierteljährlich einzureichen. Das Formular ist hierbei innerhalb den ersten zwanzig Tage nach Ende des Abrechnungszeitraums auszustellen. Dazu muss im Januar des folgenden Jahres eine Jahreszusammenfassung eingereicht werden (Formular 390), welche alle Quartale (oder Monate) des vergangenen Jahres enthält, auch die, in denen keine Mehrwertsteuer zu entrichten war.


6. Wie bekomme ich eine spanische Umsatzsteueridentifikationsnummer?

Der Antrag muss beim zuständigen spanischen Finanzamt (siehe unten) gestellt werden.

Der Antrag ist mittels des entsprechenden Formulars (Modell 036) in spanischer Sprache einzureichen. Hierbei ist das Feld Nummer 582 zu kennzeichnen (582: Alta en el Registro de operaciones intracomunitarias). Dem Antrag muss ein Dokument zum Beweis des wirksamen Bestehens des Unternehmens sowie ggf. weitere Unterlagen bezüglich der Gesellschafter und gesetzlichen Vertreter der Gesellschaft beigefügt werden. Weiterhin könnte das Finanzamt eine Steuerprüfung einleiten, um zu kontrollieren, dass die Gesellschaft tatsächlich eine gewerbliche Tätigkeit ausübt.


7. Welche Vorteile hat die Bestellung eines representante fiscal (Steuerbevollmächtigter, der meine Mehrwertsteuerangelegenheiten regelt)?

Ein representante fiscal kann die problemlose Erfüllung Ihrer Steuerverbindlichkeiten in Spanien gewährleisten.

Der l irepresentante fiscal ist dazu verpflichtet, die Rechtsentwicklung ständig zu überwachen und Sie über alle aktuellen Entwicklungen zu informieren.

Vor allen Dingen überwacht der representante fiscal die fristgerechte Abgabe der Mehrwertsteuererklärungen sowie die Vermeidung von Säumniszuschlägen und Bußgeldern.

In Spanien können bei Unterlassung der Abgabe der Steuererklärungen oder bei nicht fristgerechter Erledigung der Mehrwertsteuerangelegenheiten erhebliche Säumniszuschläge und Bußgelder drohen.

Der Säumniszuschlag bei verspäteter Abgabe beträgt 5, 10, 15 oder 20 % der abzuführenden Steuerschuld, je nachdem, ob die Überschreitung der Frist weniger als drei Monate, zwischen drei und sechs Monaten, zwischen sechs und 12 Monaten oder mehr als 12 Monaten beträgt. Falls die verspätete Abgabe beim Säumniszuschlag von 20% 12 Monate übersteigt, werden weiterhin Verzugszinsen fällig.
Wenn bei Nichtabgabe einer Steuerklärung die Verwaltung von selbständig ein Verfahren einleitet, kann die spanische Steuerverwaltung in der Regel ein Bußgeld in Höhe von 50 bis 100% der Steuerschuld verhängen. Sofern die Steuerpflichten des ausländischen Unternehmens von einem spanischen Unternehmen erfüllt werden, kann auch dieses an Stelle des ausländischen Unternehmens in Anspruch genommen werden.

Der Steuerbevollmächtigte kann im Falle von Irrtümern und fehlerhaften Erklärungen dafür Sorge tragen, dass eine Klärung und Regelung mit den Behörden gefunden wird.
Weiterhin würde der Steuerbevollmächtigte im Rahmen der obligatorischen Anmeldung beim System der Mitteilungen des Finanzamtes auf elektronischem Wege, das entsprechende Einganskonto / Mailbox überwacht, auf das die spanische Steuerverwaltung die Mitteilungen verschickt.


8. Wo sitzt das für mich zuständige Finanzamt?

Grundsätzlich ist das spanische Finanzamt am spanischen Steuersitz der Gesellschaft zuständig.

Das zentrale Finanzamt für in Spanien tätige ausländische Unternehmen, die über keine dauerhafte Betriebsstätte verfügen, befindet sich in Madrid, in C/ Guzmán el Bueno 139.


Stand der Bearbeitung: 1. April 2013


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