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Juristische Themen

Betriebsstätte in Thailand

Ich möchte wissen, unter welchen Voraussetzungen die thailändische Steuerverwaltung meine Tätigkeit ohne Gründung einer Niederlassung als Betriebsstätte in Thailand ansieht.

Die Antworten auf die folgenden Fragen werden Ihnen wesentliche, für die Praxis wichtige Hinweise zum Vorliegen einer Betriebsstätte in Thailand geben. Den Fragenkatalog sowie die Antworten hat Ihnen die im deutsch-thailändischen Rechtsverkehr spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei Respondek & Fan (Singapur, Bangkok) erstellt.
Kontakt:
Herr Rechtsanwalt Dr. Andreas Respondek, respondek@rflegal.com, Tel. +66 - 2-635 5498
www.rf-legal.com


1. In welchen Fällen geht die thailändische Steuerverwaltung vom Vorliegen einer Betriebsstätte nach internationalem Steuerrecht mit der Pflicht zur Versteuerung in Thailand aus?

2. Was muss ich bei Einstellung eines Vertriebsmitarbeiters beachten, damit die thailändische Steuerbehörde nicht vom Vorliegen einer Betriebsstätte ausgeht?

3. Was muss ich bei der Zusammenarbeit mit einem Handelsvertreter beachten, damit die thailändischen Behörden nicht vom Vorliegen einer Betriebsstätte ausgehen?

4. Was muss ich bei der Anmietung eines Büros in Thailand beachten, um zu vermeiden, dass die thailändischen Behörden vom Vorliegen einer Betriebsstätte ausgehen?


Hinweis: Bei Vorliegen einer Betriebsstätte ist eine thailändische Buchhaltung zu führen sowie eine Bilanz nach thailändischen Vorschriften zu erstellen.


Antworten:


1. In welchen Fällen geht die thailändische Steuerverwaltung vom Vorliegen einer Betriebsstätte nach internationalem Steuerrecht mit der Pflicht zur Versteuerung in Thailand aus?

Alle Unternehmen und Einzelpersonen, die nach thailändischem Recht gegründet wurden, unterliegen für ihr aus Thailand und aus dem Ausland stammendes Einkommen den thailändischen Steuern.

Anknüpfungspunkt für eine Besteuerung in Thailand im Hinblick auf Einkommen- und Körperschaftssteuer ist nicht nur die Ansässigkeit der betreffenden natürlichen oder juristischen Person, sondern auch der Ort, wo die Einkünfte erzielt werden. Eine Gesellschaft ist dort ansässig, wo sie effektiv ihren Verwaltungssitz hat. Vom Vorliegen einer Betriebsstätte mit der Pflicht zur Versteuerung in Thailand geht die thailändische Steuerverwaltung immer dann aus, wenn es sich für die Behörden so darstellt, als wenn das ausländische Unternehmen eine selbständige Unternehmenseinheit in Thailand unterhält. Danach ist der Sitz der Gesellschaft regelmäßig dort anzunehmen, wo grundlegende unternehmerische Entscheidungen getroffen und überwacht werden. Daher stellt die Repräsentanz eines ausländischen Unternehmens in Thailand regelmäßig keine Betriebsstätte dar.

Als Indizien können der satzungsmäßige Sitz - der Ort an dem die Geschäftsführer zusammen kommen oder derjenige, an dem die Gesellschafterversammlung tagt - herangezogen werden.


2. Was muss ich bei Einstellung eines Vertriebsmitarbeiters beachten, damit die thailändische Steuerbehörde nicht vom Vorliegen einer Betriebsstätte ausgeht?

Bei der Einstellung eines Vertriebsmitarbeiters in Thailand ist darauf zu achten, dass dessen Auftreten nach außen nicht auf das Vorliegen einer Betriebsstätte schließen lässt.

Der Vertriebsmitarbeiter darf generell gegenüber Kunden und insbesondere bei Erklärungen gegenüber den thailändischen Steuerbehörden nicht als thailändische Niederlassung des deutschen Unternehmens auftreten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass von den thailändischen Steuerbehörden Steueransprüche für die in Thailand erzielten Gewinne gegenüber dem deutschen Unternehmen geltend gemacht werden.


3. Was muss ich bei der Zusammenarbeit mit einem Handelsvertreter beachten, damit die thailändischen Behörden nicht vom Vorliegen einer Betriebsstätte ausgehen?

Das Vorliegen einer Betriebsstätte kann insbesondere angenommen werden, wenn der Handelsvertreter die Vollmacht hat, Verträge für das Unternehmen eigenständig abzuschließen.

Für die Gestaltung des Handelsvertretervertrages bedeutet dies, dass Folgendes beachtet werden sollte:

  • Der Handelsvertreter darf keine Vollmacht zum Abschluss von Verträgen haben, sondern der Vertrag muss vorsehen, dass er den Vertragsschluss nur vermittelt und dass der Vertrag in Deutschland unterzeichnet wird.
  • In der Praxis sollte dafür Sorge getragen werden, dass der Handelsvertreter die Bestellungen des Kunden an das in Deutschland ansässige Unternehmen weiterleitet.
  • Die Auftragsbestätigung sollte jeweils von der in Deutschland zuständigen Person an das thailändische Unternehmen übermittelt werden und nicht vom Handelsvertreter.


4. Was muss ich bei der Anmietung eines Büros in Thailand beachten, um zu vermeiden, dass die thailändischen Behörden vom Vorliegen einer Betriebsstätte ausgehen?

Sinnvoll ist hier die Gründung einer Repräsentanz. Denn eine solche Repräsentanz unterliegt nicht den thailändischen Steuern.


Stand: 1. August 2011


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