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Juristische Themen

Besteuerung von Unternehmen in der Ukraine

Die folgenden Ausführungen werden Ihnen wesentliche, für die Praxis wichtige Hinweise zur Besteuerung von Unternehmen in der Ukraine geben. Die Informationen werden Ihnen von der auf den deutsch-ukrainischen Geschäftsverkehr spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei DLF Rechtsanwälte (Kiew) zur Verfügung gestellt.
Kontakt:
Herr Rechtsanwalt und Partner Igor Dykunskyy, LL.M.
igor.dykunskyy@dlf.ua, Tel. +380 44 384 24 54
www.dlf.ua


1. Körperschaftsteuer in der Ukraine


Körperschaftssteuer zahlen Unternehmen, die dort als steuerpflichtige Residenten angesehen werden und Einkommen in der Ukraine und / oder im Ausland erzielen. Aber auch solche juristischen Personen sind körperschaftsteuerpflichtig, die zwar keine steuerlichen Residenten in der Ukraine sind, die aber in der Ukraine Gewinne machen. 

Die Körperschaftsteuer in der Ukraine hat einen festen Basissteuersatz, der gegenwärtig bei 18% liegt. Es kommen aber auch andere Sätze der Körperschaftsteuer zur Anwendung.

Steuerbemessungsgrundlage ist Einkommen aus der Ukraine oder aus dem Ausland. Der Gewinn wird durch eine Korrektur des gemäß den Standards der Buchhaltung der Ukraine oder den internationalen Standards der Finanzberichterstattung bestimmten finanziellen Ergebnisses vor Steuern festgesetzt. 

In der Ukraine erwirtschaftete Einkünfte juristischer Personen, die Nichtresidenten sind, werden mit einem Körperschaftsteuersatz in Höhe von 15% besteuert. Der Besteuerung unterliegen Einkünfte in Form von Dividenden, Lizenzgebühren, Frachtgebühren, Einkünfte aus Engineering, Leasing- und Ratenzahlungen, Einkünfte aus dem Verkauf von unbeweglichem Vermögen, Wertpapieren und gesellschaftsrechtlichen Rechten sowie Einkünfte, die aus der Realisierung einer gemeinsamen Tätigkeit und einer Tätigkeit in der Unterhaltungsbranche erzielt worden sind, sowie einige sonstige Einkünfte.

Mit einigen Ländern bestehen Doppelbesteuerungsabkommen, welche günstigere Bedingungen festsetzen können. In bestimmten Fällen, die in Doppelbesteuerungsabkommen vorgesehen sind, kann in Verbindung mit bestimmten Einkünften von Nichtresidenten in der Ukraine ein herabgesetzter Steuersatz angewandt werden. Solche Abkommen hat die Ukraine mit 75 Ländern abgeschlossen.

Zum Zwecke der Verhinderung der Aushöhlung der Besteuerungsgrundlage und der Überführung des Gewinns, gelten in der Ukraine, nach dem Beispiel anderer Länder, bestimmte Unterkapitalisierungsregeln.

Die Regelungen über die Unterkapitalisierung sehen vor, dass in die Ausgaben eines Residenten innerhalb des laufenden Geschäftsjahrs die Zinsen für Kredite einberechnet werden, welche 50% seines Gewinns nicht überschreiten; Verluste auf die Auszahlung der Zinsen werden nicht berücksichtigt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass ein Nichtresident als eine mit einem Residenten verbundene Person angesehen wird, wenn die Summe der Schuldverpflichtungen des Steuerzahlers gegenüber dem Nichtresidenten die Summe der reinen Aktiva des Steuerzahlers um mehr als das 3,5-fache überschreitet.


2. Umsatzsteuer in der Ukraine

Wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, besteht die Verpflichtung, sich zur Umsatzsteuer in der Ukraine zu registrieren. Das hauptsächliche Kriterium dafür ist die Summe der in der Ukraine realisierten Operationen in Form von Warenlieferungen oder der Erbringung von Dienstleistungen. Dabei ist das Kriterium erfüllt, wenn diese Summe in den vorangegangenen zwölf Monaten mehr als UAH 1 Mio beträgt. Ist dies nicht der Fall, d.h. überschreitet der Umfang der Operationen nicht UAH 1 Mio., dann kann der Steuerzahler eine solche Registrierung freiwillig durchführen, wenn er dies für notwendig erachtet.

Gegenwärtig beträgt der Umsatzsteuersatz in der Ukraine 20%, wobei für pharmazeutische Produkte ein verringerter Umsatzsteuersatz von 7% gilt. Bei einem Export von Waren aus dem Zollterritorium der Ukraine hinaus wird ein Umsatzsteuersatz von 0% angewandt.

Steuerbemessungsgrundlage sind diejenigen Warenlieferungen oder Dienstleistungen, bei denen sich der Lieferungs- bzw. Leistungsort auf dem Zollterritorium der Ukraine befindet. Betroffen sind auch der Import von Waren in die Ukraine und der Export von Waren ins Ausland. 

Für die landwirtschaftliche Warenproduzenten wird bis zum Ende des Jahres 2016 ein spezielles Regime der Besteuerung ihrer Tätigkeit gelten. 


3. Vereinfachtes Besteuerungssystem in der Ukraine für kleine und mittelständische Unternehmen


Mit dem Ziel der Unterstützung und zur Vereinfachung der Buchhaltung für kleine und mittelständische Unternehmen gelten in der Ukraine besondere Bedingungen für deren Besteuerung. Steuerzahler, sowohl Einzelunternehmer als auch juristische Personen, können ein vereinfachtes Besteuerungssystem wählen, welches auf den nachfolgenden Kategorien beruht: Anzahl der Arbeitnehmer, Höhe der Einkünfte pro Kalenderjahr und Art der Tätigkeit. Die Höhe des verbreiteten Steuersatzes unter den Einzelunternehmen liegt bei 3% der Einkünfte (im Falle der Bezahlung der USt.) oder 5% der Einkünfte (im Falle des Einschlusses der USt. in den Umfang der Einheitssteuer).


4. Einkommensteuer


Einkommensteuerpflichtig auf Einkünfte natürlicher Personen sind natürliche Personen, sowohl Nichtresidenten als auch Residenten.

Der Steuersatz für die Einkünfte von natürlichen Personen beträgt 18%. Bei der Auszahlung von Dividenden beträgt der Einkommensteuersatz 5%.

Besteuerungsgrundlage für die Einkommensteuer ist das allgemeine monatliche (jährliche) zu versteuernde Einkommen sowie Einkünfte in der Ukraine, die zur Zeit ihrer Berechnung versteuert werden (Auszahlungen, Gewährungen) und ausländische Einkünfte.


5. Militärabgabe

Die Militärabgabe wird von Residenten und Nichtresidenten bezahlt. Die Militärabgabe gilt in der Ukraine schon seit zwei Jahren und beträgt im Jahre 2016 1,5%.

Mit der Militärabgabe werden Einkünfte in der Form des Lohns, anderer Förderungs- und Kompensationszahlungen oder andere Auszahlungen und Prämien besteuert, die der Steuerzahler in Verbindung mit seinem Arbeitsverhältnis und aufgrund von zivilrechtlichen Verträgen erhält (ausgezahlt, gewährt bekommt). 


6. Akzisensteuer


Akzisensteuerpflichtig sind natürliche und juristische Personen, die unter anderem der Akzise unterliegende Waren auf dem Zollterritorium der Ukraine herstellen. Darunter fallen auch die vom Besteller zwecks Bearbeitung gelieferten Rohstoffe, der Akzise unterliegende Waren, die auf das Zollterritorium der Ukraine eingeführt werden sowie Waren, die verarbeitet werden oder in das Eigentum, die Nutzung oder die Verfügung überführt werden.

Zu den der Akzise unterliegenden Waren gehören Äthylalkohol und andere hochprozentige Destillate, Alkoholgetränke, Bier, Tabakwaren, Tabak und industrielle Ersatzstoffe von Tabak, Treibstoff, Pkw, Karosserien für Pkw, Anhänger und Halbanhänger, Motorräder, Transportmittel, die für den Transport von mindestens 10 Personen bestimmt sind, Transportmittel für den Transport von Lasten, elektrische Energie, außer der elektrischen Energie, die von qualifizierten Zusatzgeneratoreinrichtungen und/oder die aus erneuerbaren Energiequellen produziert wird.


7. Immobiliensteuer


Bauwerke
Immobiliensteuerpflichtig sind natürliche und juristische Personen, darunter auch Nichtresidenten. Der Immobiliensteuersteuersatz auf das Eigentum an Bauwerken wird von den Organen der lokalen Selbstverwaltung festgesetzt. Dabei beträgt die maximale Höhe des Steuersatzes der Immobiliensteuer 3% der Höhe des Mindestlohns für einen Quadratmeter der allgemeinen Fläche einer Wohn- und einer Gewerbeimmobilie.

Ein zusätzlicher Satz in Höhe von UAH 25.000,- gilt für Wohnungen mit einer Fläche von mehr als 300 m2 und Häusern mit einer Fläche von mehr als 500 m2.

Die Immobiliensteuer wird für jeden Quadratmeter der Fläche von Wohn- und Gewerbeimmobilien bezahlt. Die Eigentümer von Wohnungen von weniger als 60 m2 und von Häusern von weniger als 120 m2 (oder von Häusern und Wohnungen mit einer Gesamtfläche von bis zu 180 m2) sind von dieser Steuer ausgenommen. 

Grundstücke

Immobiliensteuerpflichtig aufgrund des Eigentums an Grundstücken sind natürliche und juristische Personen, darunter auch Nichtresidenten, die Grundstücke oder Bodenanteile in Besitz haben oder diese nutzen. 

Der Steuersatz der Immobiliensteuer auf das Eigentum an Grundstücken wird von den Organen der lokalen Selbstverwaltung festgesetzt. Dabei darf der Steuersatz der Immobiliensteuer auf das Eigentum an Grundstücken 3% der Grundstückswertes nicht überschreiten. Für landwirtschaftliche Grundstücke und Grundstücke zu allgemeiner Nutzung liegt der maximale Steuersatz bei 1% des Grundstückswertes. Für Grundstücke, die aufgrund von Pachtverträgen ständig zur Ausübung einer Wirtschaftstätigkeit genutzt werden, darf der maximale Steuersatz 12% des Grundstückswertes nicht überschreiten.


8. Transportsteuer

Transportsteuerpflichtig sind natürliche und juristische Personen, darunter auch Nichtresidenten, die in der Ukraine ihre eigenen Pkws registriert haben. Der Steuersatz ist auf UAH 25.000,- festgesetzt, und zwar pro Jahr und für jeden Pkw. Die Transportsteuer ist für Pkws zu zahlen, die nicht älter als fünf Jahre sind (berechnet ab deren Baujahr) und deren mittlerer Wert über einem Betrag liegt, der 750x dem Betrag des Mindestlohns entspricht.


9. Umweltsteuer

Umweltsteuerpflichtig sind natürliche und juristische Personen, die ihre Tätigkeit auf dem Gebiet der Ukraine ausüben. Die Sätze der Umweltsteuer für einzelne Kategorien von Abfällen werden im Steuerkodex der Ukraine bestimmt.

Die Umweltsteuer wird aufgrund des Umfangs und der Art der verschmutzenden Stoffe berechnet, die in die Atmosphäre oder in Wasserobjekte gelangen.


10. Gebühren

Außer den oben genannten Steuern sind im ukrainischen Steuersystem folgende Gebühren vorgesehen: Zollgebühren, Importabgabe, Exportabgabe, Saisongebühr, spezielle Gebühren, wie die Antidumpinggebühr, die Tourismusabgabe und die Parkgebühr. 


Stand der Bearbeitung: November 2016



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