Reverse Charge Verfahren

von Herrn Rechtsanwalt Dr. Christian Ule, ule@mideastlaw.de, Tel. +20 - 2 - 23 91 43 44 

Nach dem neuen Mehrwertsteuergesetz Nr. 67/2016 wurde das Reverse Charge Verfahren auch in Ägypten eingeführt.

Was ist Reverse-Charge? Reverse Charge ist ein Mechanismus, der für den Fall gilt, dass der Lieferant einer Ware oder Dienstleistung (nachfolgend “Verkäufer”) außerhalb Ägyptens (z.B. Deutschland) ansässig ist und der Käufer oder Dienstleistungsempfänger (nachfolgend “Käufer") seinen Wohnsitz in Ägypten hat. In diesem Fall wird die Pflicht zum Abzug und zur Abführung der ägyptischen Mehrwertsteuer an den ägyptischen Käufer statt an den ausländischen Verkäufer umgekehrt.

Normalerweise sollte die ägyptische Mehrwertsteuer dem Käufer belastet werden, sodass der Käufer belastet wird. Die Pflicht, die Steuer abzuziehen und sie an die Steuerbehörden zu entrichten, obliegt jedoch dem Verkäufer. Wenn der Verkäufer seinen Wohnsitz außerhalb von Ägypten hat, ist er nicht vom ägyptischen Mehrwertsteuergesetz betroffen und damit ist er nicht verpflichtet, die Steuer an die ägyptischen Finanzbehörden abzuführen. In diesem Fall ist deshalb der Käufer in Ägypten verpflichtet, die Mehrwertsteuer stattdessen an die Behörden abzuführen.

In Bezug auf Dienstleistungen ist das neu. Nicht aber in Bezug auf Waren. Zuvor wurde die Mehrwertsteuer auf Waren bei der Zollabfertigung erhoben und immer im Preis berücksichtigt. In Bezug auf Dienstleistungen zahlten die Käufer jedoch in der Regel keine Mehrwertsteuer. Was ist also die Konsequenz? Empfänger von Dienstleistungen aus dem Ausland müssen die neue Mehrwertsteuer in den Preis der Dienstleistungen mit einkalkulieren, die sie empfangen. Ausländische Dienstleistungen, die in Ägypten erbracht werden, werden deshalb (um die MwSt.) teurer.

Im Ergebnis werden dadurch Preise ausländischer Dienstleistungen in Ägypten steigen.

Fazit: Wenn ein Betrieb, der keine geschäftliche Einrichtung in Ägypten hat, in Ägypten Dienstleistungen erbringt, sind folgende Konstellationen zu unterscheiden:

  • Ist der Empfänger der Dienstleistung mit Sitz in Ägypten mehrwertsteuerlich nicht registriert, muss der ausländische Dienstleister zur Erfüllung seiner Pflichten aus dem ägyptischen MwSt-Gesetz einen fiskalischen Vertreter bestellen.
  • Sobald der Dienstleistungsempfänger in Ägypten aber registriert ist, muss der Dienstleister keinen fiskalischen Vertreter bestellen. Hier kommt das Reverse-Charge-Verfahren zur Anwendung.

 

Stand der Bearbeitung: März 2018