Steuerliche Abzugsfähigkeit von Zinsaufwendungen beschränkt

Ende 2011 wurde die rechtlich nicht zu beanstandende Ausnutzung steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten durch ein finnisches Unternehmen öffentlich bekannt.

Ende 2011 wurde die rechtlich nicht zu beanstandende Ausnutzung steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten durch ein finnisches Unternehmen öffentlich bekannt.

Das Unternehmen hatte im Jahr 2010 trotz eines in Höhe von etwa EUR 40 Millionen erwirtschafteten Gewinns in Finnland weniger als EUR 400.000 Einkommensteuer gezahlt. Dies entspricht einem Steuersatz von circa einem Prozent. Das Ergebnis wurde insbesondere durch die Berücksichtigung von abzugsfähigen Zinsen auf Grund erheblicher Darlehen von ausländischen Gesellschaften desselben Konzerns erreicht. 

In Finnland wurde vor kurzem ein Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem oben bezeichnete Gestaltungen in der Zukunft verhindert werden sollen. Die neuen Vorschriften sollen am 1. Januar 2013 in Kraft treten und ausweislich des Regierungsentwurfs erstmalig im Steuerjahr 2014 zur Anwendung kommen.

Kerninhalt der Neuregelung

Die Gesetzesänderung betrifft finnische Kapital- und Personengesellschaften sowie entsprechende ausländische Rechtsformen und deren Betriebstätten in Finnland. Kreditinstitute, Rentenkassen und Versicherungsgesellschaften sind von der Änderung nicht betroffen. Ausnahmen gelten darüber hinaus für bestimmte Grundstücksgesellschaften.

Im Rahmen der Reform soll der Abzug von Zinsaufwendungen bei der steuerlichen Gewinnermittlung zusammengefasst wie folgt beschränkt werden:

Die Beschränkung kommt im Falle eines negativen Saldos aus Zinsaufwendungen und Zinserträgen in Betracht. Beträgt der negative Zinssaldo mehr als 30 % des Betriebsergebnisses einschließlich der geleisteten und erhaltenen Konzernzuschüsse, sind die darüber hinaus gehenden Zinsaufwendungen nicht abzugsfähig, sofern keine der folgenden Ausnahmen vorliegt.

Falls der negative Zinssaldo eines Unternehmens EUR 500.000 im Steuerjahr nicht übersteigt, sind die Zinsaufwendungen in voller Höhe abzugsfähig. Im Falle der Überschreitung dieser Freigrenze greift die Beschränkung in voller Höhe des Zinssaldos ein.

Grundsätzlich gilt die Regelung nicht für Zinsen, die an Dritte außerhalb desselben Konzerns gezahlt worden sind. Dabei sind jedoch wichtige Ausnahmen zu berücksichtigen, insbesondere wenn Darlehen Dritter durch Verpfändung von konzerninternen Forderungen gesichert werden oder eine sogenannte „Back to Back“ Finanzierung vorliegt.

Fallbeispiel

Gesellschaft G erzielt ein Betriebsergebnis von EUR 2 Millionen und hat einen negativen Zinssaldo in Höhe von insgesamt EUR 1 Million im Steuerjahr. Dies übersteigt die Freigrenze von EUR 500.000. Daher ist eine nähere Analyse notwendig.

Von den Zinsaufwendungen wurden EUR 500.000 an X, eine ausländische Gesellschaft desselben Konzerns, gezahlt. Darüber hinaus hat Y, eine andere inländische Gesellschaft des Konzerns, eine Forderung als Sicherheit für ein Darlehen verpfändet, das für G einen Zinsaufwand von EUR 200.000 verursacht hat. Die restlichen Zinsen in Höhe von EUR 300.000 wurden an eine Bank ohne konzerninternes Verhältnis zu G (also Dritte) gezahlt.

Die Zinsen sind nur absetzbar, wenn sie 30 % des Betriebsergebnisses (also hier EUR 600.000) nicht übersteigen.

Da die Beschränkung der Abzugsfähigkeit nicht für an Dritte gezahlte Zinsaufwendungen (hier: EUR 300.000) gilt, bleiben diese abzugsfähig. Von den konzerninternen Zinsaufwendungen in Höhe von EUR 700.000 können nach Abzug von EUR 400.000 (EUR 1 Million abzüglich EUR 600.000) EUR 300.000 steuerlich berücksichtigt werden. Insgesamt sind die Zinsaufwendungen in diesem Fallbeispiel also in Höhe von EUR 600.000 abzugsfähig.

Blick in die Zukunft

Die Steuerreform wird bei nationalen und internationalen Finanzierungsvorgängen in Finnland eine erhebliche Rolle spielen. Deshalb ist es empfehlenswert, die gegenwärtigen Strukturen rechtzeitig prüfen und bei Bedarf anpassen zu lassen.

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