Unternehmenskauf in Schweden

von Herrn Advocat Sascha Schaeferdiek,  sascha.schaeferdiek@wistrand.se, Tel. +46 - 8 - 507 300 26

1. Was ist Gegenstand eines Unternehmenskaufvertrages in Schweden?

2. Auf welche Weise läuft ein Unternehmenskauf in Schweden üblicherweise ab?

3. Ist es üblich, in Schweden eine Absichtserklärung (avsiktsförklaring bzw. Letter of Intent) zu unterzeichnen?

4. Auf welche Weise kann in Schweden der Kaufpreis für ein Unternehmen bestimmt werden?

5. Was ist bei der Due Diligence-Prüfung eines schwedischen Unternehmens zu beachten?

6. Benötigt man zum Unternehmenskauf in Schweden einen Notar?

7. Welches sind die wesentlichen Bestandteile eines Unternehmenskaufvertrages in Schweden? 

8. Welche Garantien sollten in einen schwedischen Unternehmenskaufvertrag aufgenommen werden?


Antworten: 


1. Was ist Gegenstand eines Unternehmenskaufvertrages in Schweden?

Der Kauf eines Unternehmens kann in Schweden - ebenso wie in Deutschland - entweder durch den Kauf der Gesellschaftsanteile (share deal) oder durch den Erwerb der Vermögensgegenstände (asset deal) des Unternehmens erfolgen. 

Share Deal
Bei einem Share Deal werden die bisherigen Gesellschafter aus dem Unternehmen herausgekauft, indem der Käufer deren Aktien gegen Zahlung des vereinbarten Kaufpreises übernimmt.

Asset Deal
Bei einem Asset Deal erwirbt der Käufer die Vermögenswerte des Unternehmens, nicht aber dessen Aktien. Gegenstand eines Asset Deals können zum Beispiel Inventar, Kundenregister und Grundstücke sein. Der Erwerb kann sich auf das gesamte Unternehmensvermögen beziehen oder nur einzelne Vermögenswerte wie bspw. Warenlager, Kundenstamm, Marken etc. umfassen. Der Erwerb im Wege eines Asset Deal kann steuerliche Vorteile bringen, da der Käufer Abschreibungen für die neuen Vermögenswerte vornehmen kann. Außerdem ist in der Regel klar abgrenzbar, was Gegenstand des Kaufvertrages geworden ist. Die Verantwortung für früher getätigte Geschäfte oder eingegangene Verbindlichkeiten bleibt grundsätzlich bei dem Verkäufer. Liegt ein Betriebsübergang vor, besteht ein Anspruch der Arbeitnehmer des Unternehmens, von dem Käufer beschäftigt zu werden. Ist dies nicht gewollt, muss der Asset Deal so konzipiert werden, dass er nicht als Betriebsübergang nach schwedischem Recht qualifiziert werden kann.


2. Auf welche Weise läuft ein Unternehmenskauf in Schweden üblicherweise ab?

Ein Unternehmenskaufvertrag kann durch Verhandlungen zwischen dem potentiellen Verkäufer und einem einzigen Kaufinteressenten zustande kommen. Ein Kaufvertrag kann aber auch am Ende eines von dem Verkäufer eingeleiteten Auktionsprozesses stehen. Ein solcher Prozess läuft im Wesentlichen wie folgt ab:

  • Der Verkäufer stellt die Zielgesellschaft einer Anzahl potentieller Käufer in einer kurzen Zusammenfassung (Information Memorandum) vor und lädt sie ein, ein initiales Angebot für die Zielgesellschaft abzugeben.

  • Nach Bewertung der initialen Gebote wählt der Verkäufer bestimmte Käufer aus, mit denen er die Verhandlungen fortsetzt.

  • Diese ausgewählten Käufer haben dann in der Regel die Möglichkeit, die Struktur und finanzielle Situation des Unternehmens im Rahmen einer ersten Due Diligence Prüfung zu untersuchen.

  • Basierend auf den Ergebnissen dieser Prüfung geben die Kaufinteressenten ein revidiertes Angebot ab.

  • Nach Auswertung der Angebote wählt der Verkäufer einen Käufer aus, mit dem Schlussverhandlungen über den Unternehmensverkauf geführt werden. In diesem Stadium wird üblicherweise eine Exklusivitätsvereinbarung abgeschlossen, um danach eine ausführlichere Due Diligence Prüfung durchzuführen und Detailverhandlungen bezüglich einzelner Aspekte des Unternehmenskaufs vorzunehmen.


3. Ist es üblich, in Schweden eine Absichtserklärung (avsiktsförklaring bzw. Letter of Intent) zu unterzeichnen?

Im Rahmen der Anbahnung eines Kaufvertrages über ein schwedisches Unternehmen wird in der Regel frühzeitig eine Absichtserklärung (avsiksförklaring bzw. Letter of Intent) zwischen dem Verkäufer und dem Kaufinteressenten abgeschlossen. Darin werden neben der unverbindlichen Erklärung, einen Unternehmenskaufvertrag eingehen zu wollen, auch grundlegende Bedingungen für den fortgesetzten Erwerbsprozess (Schritte, Zeitplan etc.) festgehalten. 

Auf Verlangen des Kaufinteressenten wird zudem oft eine Exklusivitätsvereinbarung aufgenommen, die beinhaltet, dass der Verkäufer während eines bestimmten Zeitraumes nicht mit anderen Interessenten verhandeln darf. Ferner wird hinsichtlich der Informationen, die im Rahmen der Verhandlungsphase offengelegt werden, regelmäßig im Interesse beider Parteien eine Vertraulichkeitsvereinbarung getroffen. 


4. Auf welche Weise kann in Schweden der Kaufpreis für ein Unternehmen bestimmt werden?

Nachfolgend eine kurze Zusammenstellung der üblichen Bewertungsmethoden für Unternehmen in Schweden.

Substanzbewertung
Den Ausgangspunkt bildet oft die Substanzbewertung, bei der Vermögen und Verbindlichkeiten gegenübergestellt werden. Diese einfache Bewertungsmethode hat allerdings den Nachteil, dass unter anderem Synergieeffekte und Perspektiven des Unternehmens nicht berücksichtigt werden. 

Ertragswertbewertung
Diese am häufigsten angewandte, sehr umfassende Bewertung nimmt als Ausgangspunkt das durchschnittliche Betriebsergebnis der letzten 2-3 Jahre und die geschätzten Ergebnisse für die nächsten Jahre. Die Resultate werden mit einem Chancen/Risikofaktor multipliziert. Bei dieser Methode ist es möglich, Personalstruktur, Geschäftsidee, den Markt und ähnliche Aspekte, die nicht in der Bilanz abgebildet sind, zu berücksichtigen. 

Marktbewertung
Eine Bewertung kann zudem anhand des Marktpreises erfolgen, der erfahrungsgemäß für ein vergleichbares Unternehmen (gleiche Branche, ähnliche Größe etc.) erzielt wird. Diese Methode eignet sich vor allem bei kleineren Unternehmen, in deren Branchen Unternehmensverkäufe üblich sind und ausreichend Vergleichsgrößen zur Verfügung stehen.


5. Was ist bei der Due Diligence-Prüfung eines schwedischen Unternehmens zu beachten?

Die Due Diligence spielt im Rahmen eines Unternehmenskaufes in Schweden eine zentrale Rolle für beide Vertragsparteien. 

Der Verkäufer kann durch eine Due Diligence Prüfung seines Unternehmens den Wert des Unternehmens sowie eventuelle Risiken bei einer Veräußerung ermitteln und damit die eigene Position bei den Verkaufsverhandlungen besser einschätzen. 

Für den Käufer ist die Due Diligence Prüfung im Rahmen seiner Erwägungen, ob und zu welchen Konditionen er ein Unternehmen kaufen möchte, von entscheidender Bedeutung. Die Prüfung umfasst in der Regel rechtliche, wirtschaftliche und steuerliche Aspekte und wird in der Praxis meist von spezialisierten Beratern vorgenommen. Im Rahmen der rechtlichen Prüfung werden neben der gesellschaftlichen Struktur, Verträgen und Versicherungen auch laufende Gerichtsprozesse und Haftungsrisiken untersucht und bewertet. Besonderes Augenmerk sollte hierbei auf das schwedische Arbeitsrecht gerichtet werden.


6. Benötigt man zum Unternehmenskauf in Schweden einen Notar?

Unternehmenskaufverträge werden in Schweden ohne Beteiligung von Notaren abgeschlossen. 


7. Welches sind die wesentlichen Bestandteile eines Unternehmenskaufvertrages in Schweden? 

Neben der genauen Bezeichnung des Vertragsgegenstandes stellen die Garantien, die von dem Verkäufer im Hinblick auf das Unternehmen abgegeben werden, einen zentralen Bestandteil des Unternehmenskaufvertrages dar. Inhalt und Umfang der Garantien hängen u.a. wesentlich von den Umständen ab, die sich im Rahmen der Due Diligence Prüfung über das Unternehmen herausgestellt haben.

Auch die Regelungen zum Kaufpreis sind naturgemäß von zentraler Bedeutung. Der Kaufpreis wird nicht selten anhand einer per Übergabezeitpunkt (Closing) zu erstellenden Bilanz endgültig festgelegt. Wird der Kaufpreis teilweise von der zukünftigen Entwicklung der Zielgesellschaft abhängig gemacht (Earn-out), erfordert dies detaillierte Regelungen der Kriterien und des Verfahrens der Kaufpreisbestimmung.

Überdies enthält der Unternehmenskaufvertrag in Schweden u.a. Bestimmungen zum Übergang des Unternehmens, Haftungsfragen, Wettbewerbsverboten für den Verkäufer, dem geltenden Recht und zur Streitbeilegung (staatliche Gerichte oder Schiedsverfahren). 


8. Welche Garantien sollten in einen schwedischen Unternehmenskaufvertrag aufgenommen werden?

Die Garantien erfassen in Unternehmenskaufverträgen in Schweden üblicherweise insbesondere die folgenden Themenfelder:

  • Aktien
  • Gesellschaftsrechtliche Verhältnisse
  • Jahresabschlüsse / Bilanzierung
  • Personal
  • Versicherungen
  • Produktsicherheit
  • Umwelt
  • Gewerbliche Schutzrechte / Lizenzen
  • Rechtsstreitigkeiten
  • Vertragsverhältnisse
  • Behördliche Anordnungen, Auflagen und Genehmigungen
  • Steuern / Abgaben

Die Garantien müssen in jedem Fall sorgfältig auf die Ergebnisse der Due Diligence Prüfung abgestimmt werden. Besonderes Augenmerk sollte neben den steuer- und bilanzrechtlichen Garantien dem schwedischen Arbeitsrecht und auf die durch das Unternehmen abgeschlossenen Verträge gelegt werden.


Stand der Bearbeitung: Oktober 2019