Negatives Eigenkapital – “Worst case scenario” abgemildert

Kursverluste sind vorübergebend nicht Teil des negativen Eigenkapitals. Ein entsprechender Handlungsbedarf wird somit verringert.

Kursverluste sind vorübergebend nicht Teil des negativen Eigenkapitals. Ein entsprechender Handlungsbedarf wird somit verringert.

Nach einer ungewöhnlich drastischen Regelung im ungarischen Corporate Finance gilt, dass falls Gesellschaften laut Bilanz zweier aufeinander folgenden Geschäftsjahre kein Eigenkapital über HUF 500 000 (ca. EUR 1 600) aufweisen können, die Gesellschafter in der relativ kurzen Frist von drei Monaten ab Annahme des zweiten Jahresabschlusses entsprechende Mittel nachschießen mussten. Ansonsten sah das Gesetz Zwangsumwandlung bzw. Zwangsliquidation als Rechtsfolge vor. Diese Regelung wurde und wird oft übersehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei, dass Gesellschafterdarlehen in Ungarn als Fremdkapital gelten und den ausländischen Gesellschaftern oftmals nicht bewusst ist, dass die ungarische Tochtergesellschaft als „überwiegend fremdfinanziert gilt.

Dem schwächelnden Forint wurde nun in dieser Hinsicht Rechnung getragen. Die neue Gesetzeslage sieht vor, dass buchhalterische Verluste nicht bei der Bestimmung des Eigenkapitals dazu zu zählen sind, soweit diese aus der Umbewertung von Verbindlichkeiten stammen, die in einer Fremdwährung (z.B. EUR) bestehen. Dies bedeutet also, dass Kapitalmaßnahmen überhaupt nicht erforderlich sind, soweit das negative Eigenkapital ausschließlich aus „Verlusten von Finanztransaktionen“ stammt. Die Regelung gilt noch für die Geschäftsjahre 2011 und 2012, somit ist die Regelung noch für die Beurteilung von Kapitalmaßnahmen ganz bis zum Jahre 2014 relevant.

Diese durchaus sinnvolle Gesetzesänderung wurde kurz vor der Verabschiedung mit einer Weise Regelung ergänzt, wonach die Kapitalmaßnahmen (bzw. in Ermangelung solcher die Zwangsumwandlung bzw. Zwangsliquidation) vermieden werden kann, wenn mithilfe einer Zwischenbilanz festgestellt wird, dass das (im Jahresabschluss noch negative) Eigenkapital inzwischen nicht mehr negativ ist. Ob diese zweite Regelung aber in der Praxis jemals angewandt werden wird, ist aber höchst fraglich, schon wegen des schlechten Kosten/Nutzen-Verhältnisses.

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