Kurzlaufzeit Mietvertrag in Frankreich

von Herrn Rechtsanwalt Jörg Luft, luft@rechtsanwalt.fr ,Tel. +33 - 3 - 88 45 65 45

Verträge mit maximal 3 Jahren Laufzeit

Das französische Recht sieht im Hinblick auf gewerbliche Mietverträge, die grundsätzlich strengen Regelungen unterfallen, die Möglichkeit vor, einen sogenannten „Kurzlaufzeit-Mietvertrag“ („bail de courte durée“) abzuschließen, der in der Praxis auch „bail dérogatoire“ (abweichender Mietvertrag) oder „bail à l’essai“ (Probemietvertrag) genannt wird.


1. Welche Bedingungen gelten für einen kurzfristigen Mietvertrag?

Der Kurzlaufzeit-Mietvertrag unterliegt grundsätzlich nicht den Regelungen, die auf gewerbliche Mietverträge Anwendung finden.

Das Gesetz fordert jedoch, dass die folgenden Bedingungen kumulativ erfüllt sind:

  • Die Laufzeit des kurzfristigen Mietvertrages (oder der aufeinanderfolgenden kurzfristigen Mietverträge) darf 3 Jahre nicht überschreiten – sonst beginnt nach den 3 Jahren ein gewerblicher Mietvertrag, dessen Mindestdauer 9 Jahre beträgt.

  • Im Mietvertrag muss ausdrücklich angegeben werden, dass es sich um einen Kurzlaufzeit-Mietvertrag handelt.


2. Inwiefern kann ein kurzfristiger Mietvertrag vorteilhaft sein?

Ein Mietvertrag mit einer kurzen Laufzeit kann für einen Mieter von Vorteil sein, der die Geeignetheit des gemieteten Standortes für die Ausübung seiner Tätigkeit überprüfen möchte, bevor er sich für einen längeren Zeitraum bindet. Andersherum bietet ein kurzfristiger Mietvertrag dem Vermieter den Vorteil, zunächst den Mieter kennenzulernen.

Dennoch ist Vorsicht geboten, denn im Rahmen eines Kurzlaufzeit-Mietvertrags kann der Mieter nicht den Vorteil der Bestimmungen zum Schutz der Mieterinteressen, die für einen Gewerbemietvertrag gelten, nutzen.

Somit hat er weder das Recht zur Erneuerung des Mietvertrags, noch Anspruch auf irgendeine Besitzentzugsentschädigung, falls der Vertrag nicht erneuert wird – wohingegen das Gesetz dem Mieter im Rahmen der rechtlichen Regelung von Gewerbemietverträgen die Möglichkeit einräumt, nach dem Auslauf des Mietvertrags seine Tätigkeit in denselben Geschäftsräumen fortzuführen. Anderenfalls muss ihm eine Entschädigung für den erlittenen Schaden gezahlt werden.

Mit einem am 19.6.2014 im Staatsanzeiger veröffentlichten Gesetz bezüglich des Handwerks, des Handels und sehr kleiner Unternehmen („Loi Pinel“) wurde die frühere Höchstdauer des Kurzlaufzeit-Mietvertrags von 2 auf 3 Jahre erhöht. Diese neue Höchstdauer kann auf Mietverträge angewendet werden, die ab dem 1.9.2014 abgeschlossen werden.


Stand der Bearbeitung: Oktober 2019